PROJEKTREGION

 
 
 
 

 

 

Das Gebiet liegt in den Schwarzen Kordilleren, dem westlichsten Teil der in diesem Bereich 3geteilten Anden und umfasst  das Rio Loco Tal und die Kleinstadt Moro, die das regionale Zentrum darstellt. Bei Moro kommen 3 Täler zusammen, von denen das Rio Loco-Tal das am wenigsten erschlossene ist.

Das Rio Loco-Tal liegt im Einflussbereich 3er weiterer Städte: die Industriestadt Chimbote an der Küste, das für den Tourismus bedeutende Caraz im Rio-Santa-Tal sowie dem Bergstädtchen Pamparomas im Paralleltal.

Das Projektgebiet reicht von 500m bis ca. 4700m über dem Meeresspiegel.

 
   
     
 

Der Großteil der Bevölkerung sind Campesinos (d.h. leben von der Landwirtschaft).

Zwischen der Stadt Moro und den Dörfern in der Sierra (=peruanisches Hochland) bestehen große Unterschiede, was Infrastruktur, die Bildung den Lebensstandard und auch die Sprache betrifft: in der Sierra wird vorwiegend Quechua gesprochen, eine Sprache aus prähispanischer Zeit.

 
     
  ABGRENZUNG DER REGION –
GEOGRAPHIE UND INDIGENE STRUKTUREN


(von Nicole Schabus)

Das Rio Loco Tal ist unser primäres Projektzielgebiet. Obwohl wir von Moro aus gearbeitet haben, sehen die Leute vom Rio-Loco-Tal Moro, sowie Caraz und Pamparomas als Markt und Orte, wo ihre Kinder weiterfuehrende Schulbildung erlangen koennen.

Manche sehen das Leben in der Stadt auch als erstrebenswertes Ziel, aber wenn sie ihr Land aufgeben, verlieren sie alles, sie koennen nur in die „Assentamientos humanos“ (Slums) ziehen und geraten in den Teufelskreis der Artmut der Gesamtoekonomie. Von den laenger dort ansaessigen Morinos (Bewohner Moros) werden sie als “cholos”, Indigene von der Sierra, diskriminiert und ausgebeutet. Die Morinos haben eine klare Ausrichtung hin zur Gesamtoekonomie Perus und spezieller zum Einzugsgebiet der Kueste und der Stadt Chimbote.
Die einzigen Bewohner Moros, die die Dynamik und Eigenheiten der Sierra verstehen, sind die kuerzlich zugezogenen aermeren Gruppen, unter ihnen die Kleingrundbesitzer, die noch immer ein enges Verhaeltnis zu ihrem Land erhalten. Anders als die Grossgrundbesitzer, die ihre Plantagen nach ihrer Wertschoepfung beurteilen, leben die Kleinbauern in einem Verhaeltnis der Abhaengigkeit von und Verantwortung gegenueber ihrem Land. Dieses Verstaendnis haben sie durch ihre Sozialisierung, die meisten von ihnen sind in der Sierra aufgewachsen und sehen die Leute von der Sierra als ihre Verwandten.

So laesst sich auch die Region am besten abgrenzen, die von der Puna bis fast zu Moro hin das Tal umfassenden „Comunidades Campesinas“ (Dorfgemeinschaften) sehen sich als verwandt.
Es bestehen starke soziale, historische und oekonomische Bande zwischen den comunidades und ein klares Selbstverstaendis, dass sie dieses Tal integrieren.

Zu Communidades in parallelen Taeler haben sie nicht dieselbe Verbindung, obwohl die neue Strasse von Pamparomas und Caraz vermehrt oekonomische Verbindungen in die andere Richtung oeffnet, ist der natuerliche oder traditionelle Fluss der Gueter und Personen durch das Rio Loco Tal, wobei die Eroeffnung der Strasse diesen historischen Fluss wieder oeffnen und verstaerken soll.

 

 
 

 
 

INDIGENE DORFGEMEINSCHAFTEN ZWISCHEN TRADITION UND OEKONOMIE

Gleichzeitig hat die Diskussion um die Strasse auch akute Probleme gezeigt, zum Beispiel, dass die Solidaritaet zwischen und innerhalb der Orte immermehr auseinanderbricht und einem Konkurrenzverhaeltnis weicht, was kollektive Projekte und Arbeit erschwert.

Die Frage ist, wie man gegen dieses Aufbrechen der organischen Strukturen ankaempfen kann. Die Mechanismen sind am wohl ehesten in den Kulturen selbst zu finden und nicht in unseren eurozentrischen Denkmustern hin auf individuelle Profitmaximierung. Keiner kennt die Region besser als die Gemeinschaften, die hier seit Jahrzehnten –hunderten –tausenden leben. Die Assimilierungsstrategien in Lateinamerika haben deren soziale Strukuren teilweise unterwandert (und tun es bis heute). Es ist zu einer Abwertung der traditionellen Kultur gekommen. Dennoch ist erkennbar, dass sie sich als Gemeinschaften und unterschiedlich von der Kueste und den Orten verstehen. Sie haben ihre Sprache, Kultur, kollektive Landrechte und angestammte (inherente, originaere) Rechte auf das Land, Wasser und die natuerlichen Resourcen. Ihr Wissen, um das Land stellt sie in eine einzigartige Position, sie koennen als einzige die nachhaltige Nutzung des Gebietes sicherstellen. Sie halten das Wissen, das noetig ist die Balance zu erhalten und so einen wichtigen Beitrag fuer die Gesamtbevoelkerung Perus und zukuenftige Generationen liefern. Es ist wichtig dieses (Selbst)Bewusstsein auf der Seite der Comunidades zu staerken, zu lange wurden sie in ein Abhaengigkeitsverhaeltnis und in den Glauben gedraengt, dass ihnen nur einseitig gegeben wird und sie nichts zu geben haben. Wenn wir ihnen durch unsere Arbeit das Gefuehl geben koennen, dass sie etwas beizutragen haben und diesen Dialog eroeffnen, dann haben wir mehr getan, als andere Europaer in dieser Region. Dies ist nicht im Interesse aller Akteure, denn manche Institutionen und Organisationen wuerden dadurch langsam ihren Einfluss und ihren Zweck verlieren. Noch staerker ist die Opposition gegen eine derartige Selbstbestimmung von seiten derer, die von der derzeitigen Gesamtoekonomie und Ausbeutung des Landes profitieren.

 
 

 
 

LIBERALISIERUNGSTREND IN PERU

Der Liberalisierungstrend der in Peru seit Anfang der 90iger Jahre vorangetrieben wird, ist ein totaler Gegentrend zu der oben geforderten Umordnung der Gesamtoekonomie und Ausrichtung auf nachhaltige Entwicklung. Peruanische Gesetze und Reglementierungen sind ein Beispiel fuer unregulierten Wirtschaftsliberalismus. Die Privatisierungsgesetze fuer Bergbau, und alle anderen zuvor verstaatlichten Industrien setzen das Land und die Resourcen Perus dem freien Wettbewerb und den Schwankungen des Weltmarktes ungeschuetzt aus. Der Staat hat seine Regulierungsmacht auf wirtschaftspolitischer Ebene aufgegeben und nur auf sozialer Ebene verstaerkt, um Abhaengigkeiten zu schaffen und demokratische Buergerbeteiligung abzuschaffen. Siehe zweiter „Wahlgang“ - und die internationale Gemeinschaft stellt sich nicht dagegen. Vielmehr fordert sie (unter Druck durch die Grossunternehmen) die weitere Liberalisierung. In Peru droht (wie kuerzlich in Bolivien erfolgt) die Privatisierung des Wassersystems. Die Weltbank fordert vermehrt als Bedingung fuer weitere Kredite, die Privatisierung aller staatlichen Industrien, unter ihnen die Wasserversorgung. Wasser soll zum Marktwert und Dollarpreis vom Bestbieter als Monopol verkauft werden. Kredite zur Wasserversorgung der Armen werden nicht eingeraeumt. Dies koennte ein Todesurteil fuer viele Arme in Peru sein und den Untergang der Comunidades campesinas bedeuten, wenn sie ihre originaeren Wasserrechte nicht einfordern koennen. Gleichzeitig raeumt die Weltbank Unternehmen wie „Antamina“ (Minenprojekt in der östlichen Kordillerenkette) Kredite fuer die Finanzierung ihrer Megaprojekte ein. Soziale Massnahmen und Eingehen auf die Besonderheiten der nach der Weltbank als Indigen einzustufenden Comunidades Campesinas, wird fuer diese Projekte selbts nicht gefordert. Richtline 4.0 der Weltbank betreffend indigene Voelker ist nur auf Entwicklungszusammenarnbeitsprojekte anzuwenden, an denen sich die Firmen quasi freiwillig beteiligen. Meistens kooperieren sie dabei mit anderen Institutionen wie im Fall von „Antamina“ mit dem Fondo Canada-Peru fuer EZA und CARE International oder vielleicht zukuenftig auch mit der EU. Die kooperieren bereits mit der Goldmine in der Naehe von Huaraz in Saatprojekten. Damit kaufen sie die Firmen von ihrer Verantwortung fuer die sozialen und Umweltimpakte ihrer Unternehmen einzustehen, sie unterstuetzen den Ausverkauf, statt einer lokalen Entwicklung.

 
     
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