Analyse

Hier werden die Ergebnisse der Phase I - Scoping dargestellt:

In dieser Projektphase haben wir uns mit der Suche und Abschätzung angebots- und nachfrageseitiger Potentiale erneuerbarer Energien im Untersuchungsgebiet beschäftigt.

 


Das Projektgebiet

Das von uns gewählte räumliche Bearbeitungsgebiet ist das Verwaltungsgebiet des Gemeindeverbandes für Abfallbeseitigung für den Bezirk Tulln, genauer gesagt umfaßt das Gebiet den Bezirk Tulln erweitert um die Wienerwaldgemeinden Mauerbach, Preßbaum, Tullnerbach und Wolfsgraben. Das 790 km² große Untersuchungsgebiet, mit seinen 25 Gemeinden und etwa 90.000 Einwohnern liegt zwischen Wien und St. Pölten und wird von der Donau durchquert.

Das Untersuchungsgebiet umfaßt folgende drei Landschaftsräume:


Demographische Gegebenheiten - Nutzerstruktur

Das Bearbeitungsgebiet ist in seinen demographischen Gegebenheiten sehr unterschiedlich: strukturschwach bis suburban, sehr schwach bis dicht besiedelt.

a) Bevölkerungsdichte

Bevölkerungsdichte

Karte: "Bevölkerungsdichte und Siedlungsschwerpunkte 1996"

Besonders für Versorgungsnetze (z.B. Nahwärmenetze) ist eine gewisse Abnahmedichte, hier repräsentiert durch die Bevölkerungsdichte, wichtig. Diese Karte zeigt Siedlungsschwerpunkte (zusammenhängende Siedlungsflächen) und die Bevölkerungsdichte in Einwohnern pro km². die Gemeinde Tulln hat mit 190 EW/km² die höchste Dichte, während die Gemeinde Tullnerbach mit 34 EW/km² die geringste Bevölkerungsdichte aufweist. Der Mittelwert über das gesamte Projektgebiet liegt bei 90 EW/km². Sehr klar erkennbar ist, dass Gemeinden nahe bei Wien dichter besiedelt sind als weiter entfernte.

b) Bevölkerungsbewegung

Bevölkerungsbewegung

Karte: "Bevölkerungsbewegung 1991"

Diese Karte zeigt die Bevölkerungsbewegung, die durch das Saldo aus Zuwanderung und Abwanderung ohne natürliche Bevölkerungsveränderung berechnet worden ist. Dunkelrot gekennzeichnet sind die Gemeinden mit Bevölkerungswachstum, hellrot die Gemeinden mit keiner Bevölkerungsveränderung durch Wanderung, und weiß jene Gemeinden, bei denen eine Abwanderung stattfand.
Aus dieser Karte können Schlüsse auf die Bautätigkeit gezogen werden. Nimmt man an, daß im Neubau die Nutzung alternativer Energieträger (auch Gebäudeoptimierung) leichter einzuführen ist, so sind Gebiete mit Bevölkerungswachstum interessanter als Abwanderungsgebiete.


Gasversorgte Gemeinden

Gasversorgte Gemeinden

Karte: "Gasversorgte Gemeinden"

Das Vorhandensein eines Erdgasnetzes kann den Einsatz erneuerbarer Energieträger erschweren oder sogar verhindern. In der Karte "Gasversorgte Gemeinden" ist dargestellt, welche Gemeinden über ein Erdgasnetz verfügen.


Klimatische Daten

Sonnenenergie und Windkraft zählen natürlich auch zu den von uns betrachteten Energieformen.
In unserem Projektgebiet sind die Rahmenbedingungen für die Nutzung der Sonnenenergie annähernd gleich. Die Jahressumme der Globaleinstrahlung (auf die horizontale Ebene) liegt in den einzelnen Gemeinden zwischen 1060 und 1100 kWh/m². Diese Werte reichen für die Nutzung der Sonne im Niedertemperaturbereich (Warmwasseraufbereitung, Raumheizung) aus, doch im Hochtemperaturbereich, (hier geht es hauptsächlich um die Umwandlung der Sonnenwärme in elektrischen Strom) ist derzeit keine rentable Nutzung in unseren Breiten möglich.
Die Abschätzung des Windkraftpotentials gestaltet sich aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit von Winddaten schwierig. Es ist liegt nur eine Meßstelle im Projektgebiet. Diese befindet sich in Langenlebarn und weist als langjähriges Mittel für die Windgeschwindigkeit 3,26 m/s aus. Dies würde derzeit für eine rentable Nutzung durch Windkraftanlagen derzeit nicht ausreichen.


Biogas und Biomasse

In den folgenden kartographischen Abbildungen wird speziell auf Biomasse- und Biogaspotentiale eingegangen. Wir erstellten Karten mit dem Ziel, Konzentrationen bzw. Ballungen von biogenen Abfällen feststellen zu können.

Beim derzeitigen Stand des Projektes wurde bis jetzt nur die Anzahl der einzelnen Betriebe berücksichtigt. Bei einem der nächsten Schritte im Projekt erfolgt erst die Beurteilung der Stoffe der einzelnen Betriebe nach der Menge des anfallenden Bioabfalls. Außerdem wurde der Weg der derzeitigen Entsorgung dieser Bioabfälle auch noch nicht berücksichtigt.

Bei der Suche nach Biogaspotentialen im Untersuchungsgebiet sind wir auf folgende relevante Stoffe gestoßen:

Diese Potentiale haben wir nun auf Gemeindeebene verortet, um Konzentrationen der verschiedenen Potentiale zu erkennen.

Biogaspotential - Biogasrelevante Betriebe

Biogasrelevante Betriebe

Karte: "Biogasrelevante Betriebe"

In dieser kartographischen Darstellung ist die Anzahl der Betriebe, bei denen Potentiale für eine Biogasnutzung auftreten, auf Gemeindeebene verortet. Hier handelt es sich um Betriebe, wo Grünschnitt, Gülle und Speisereste auftreten. Welche Betriebe haben wir hier im konkreten verortet? Konkret betrachteten wir Betriebe, wo Grünschnitt als Abfall anfällt. Dabei wurden Gärtnereien, Baumschulen und Betriebe mit Blumenhandel in Betracht gezogen. Die kommunalen Sammelstellen wurden in die Untersuchung nicht miteinbezogen. Weiters sind auch landwirtschaftliche Betriebe mit Viehwirtschaft für diesen Bereich relevant, die eventuell Gülle liefern könnten. In die Kategorie "Betriebe mit Viehwirtschaft" fallen auch Reitställe und ein kleiner Tierpark in Wolfsgraben. Außerdem werden in dieser Abbildung auch Betriebe mit Speiseresten aus dem Gastronomiebereich, soziale Einrichtungen und Fleischereien erwähnt. Bei der Entsorgung der Speisereste der sozialen Einrichtungen in Tulln (Landeskrankenhaus, Pensionisten- und Altersheime) handelt es sich laut einer Studie von IFA um mehrere Tonnen Speisereste pro Jahr. Die Fleischereibetriebe wurden in die Erhebung miteinbezogen, da sich bei Pilotversuchen zeigte, dass Flotatschlämme aus Schlachtabfällen sich als Cosubstrate von Klärschlämmen in Faultürmen eignen. Bei Speiseresten wird speziell die Art und Weise der Sammlung der Abfälle bei der näheren Planung als Problem auftreten, da - wie man auf der Karte sieht - die Potentiale weit über mehrere einzelne Standorte verstreut sind. Auf der Abbildung ist deutlich die Konzentration der Betriebe im südöstlichen Teil des Untersuchungsgebietes zu erkennen, wo auch die Konzentration der Bevölkerung am größten ist.


Biogaspotential - Güllemenge

Güllemenge pro Tag

Karte: "Güllemenge pro Tag"

Die Karte zeigt die prognostizierte Menge der anfallenden Gülle in den landwirtschaftlichen Betrieben mit Viehwirtschaft untergliedert in Viehgattungen. Bei den Viehbeständen wird zwischen Rindern, Schweine und Hühnern unterschieden. Als Indikatoren für die Menge der anfallenden Gülle je Tierart wurden Richtwerte des IFA Tulln angenommen.

Tierart Menge der anfallenden Gülle
Rind 60 l / Tag
Schwein 6 l / Tag
Huhn 0,3 l / Tag
Quelle: IFA Tulln, Massenstromerhebung, 1998.

In dieser Karte erkennt man eine deutliche Konzentration größerer Viehwirtschafts-Betriebe im Tullnerfeld westlich von Tulln. Die waldreichen Wienerwald-Gemeinden und die durch Weinbau geprägten Gemeinden nördlich der Donau weisen jedoch eine sehr geringe Konzentration aus.


Biogaspotential - Kläranlagen

Kläranöagen und Abwasserverbände

Karte: "Kläranlagen und Abwasserverbände"

Hier wurde der im Untersuchungsgebiet anfallende Klärschlamm betrachtet. Im Verwaltungsgebiet des GVA befinden sich 11 Kläranlagen unterschiedlicher Größe. Die größte Anlage ist in Tulln zu finden, die jedoch in absehbarer Zeit vergrößert wird und wo das Klärgas energetisch genutzt werden soll.
Alle anderen Kläranlagen nutzen das anfallende Klärgas jedoch noch nicht zur energetischen Nutzung.


Biomassepotential

Biomassepotential Holz

Karte: "Biomassepotential Holz"

Die Karte mit dem Biomassepotential Holz enthält neben dem Waldrestholz von den Wald- und Auflächen im Untersuchungsgebiet auch die Anzahl der Betriebe, wo also mit Industrierestholz zu rechnen ist. Auf Gemeindeebene erfolgt eine Aufteilung der Betriebe in drei Kategorien:

Die unterschiedlichen Größen der Kreisdiagramme zeigen die Anzahl der Betriebe. Die Kreisdiagramme selbst zeigen den relativen Anteil der jeweiligen Kategorie auf Gemeindeebene.
Die Konzentration dieser Betriebe beschränkt sich in erster Linie auf das Gebiet um den Wienerwald. Besonders in den Gemeinden nördlich der Donau findet man, aufgrund der örtlich bedingten geringen Holzressourcen, nur vereinzelt solche Betriebe .
Die forstlich genutzten Flächen im Verwaltungsgebiet des GVA haben eine Gesamtfläche von rund 7.900 ha, die von ca. 1.100 Betrieben verwaltet wird. Die größten bewaldeten Gebiete sind der Wienerwald, ein Landschaftsschutzgebiet, und die Auwälder beidseits der Donau.


Ausblick

Unsere nächsten Schritte: