Aufgaben, Ziele und Forschungsschwerpunkte
des Fachbereichs Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik der Technischen Universität Wien

Das Institut für Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik (IFIP) der Technischen Universität Wien wurde am 20. 6. 1972 gegründet und gehört der Fakultät für Architektur und Raumplanung an. Im Zuge der Reorganisation der Institutsgliederung der Fakultät für Architektur und Raumplanung wurde das IFIP (E267) ab 2004 dem "Department für Raumentwicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung" (E280) als "Fachbereich Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik" (IFIP, E280-3) zugeordnet.

 Grundsätzlich verfolgt das IFIP folgende Ziele:

Aufgaben:

  • Vermittlung der bereits bestehenden Kenntnisse über Bestimmungsgrößen der Entscheidungen des öffentlichen Sektors und deren Einfluss auf die Entwicklung des Naturraums, der Wirtschaft und Gesellschaft (Lehrziel).
  • Vertiefung der Kenntnisse auf dem genannten Gebiet (Forschungsziel).

Ziele:

  • Erforschung des Bedarfes an Leistungen und Einrichtungen (Aufgaben) des öffentlichen Sektors und der Einflussgrößen, die die Aufgabenerfüllung bestimmen;
  • Aufgabenplanung und -organisation, welche die Verwaltungs- und Finanzplanung mit einschließt, und zwar in quantitativer und qualitativer Hinsicht;
  • Methoden der Erarbeitung, Bewertung und Auswahl von Alternativen. Es handelt sich dabei um formale Verfahren wie z. B. Opportunitätskosten-Konzepte, Nutzen-Kosten-Analyse, Nutzwertanalyse, lineares und nichtlineares Programmieren, mathematische Simulationsmodelle und verhaltensorientierte Individual-Entscheidungsmodelle.

Forschungsschwerpunkte:

  • Finanzwissenschaft (Budgetanalyse und -prognose öffentlicher Haushalte, Föderalismus, Finanzausgleich, Theorie des Markt- und Staatsversagens, Regulierung und Deregulierung sowie Förderinstrumente)
  • Infrastrukturökonomie (insbesondere im Bereich Verkehr, Energie, Wasser und Abwasser, Abfall, Telekommunikation, Soziales und Gesundheit),
  • Ressourcen- und Umweltökonomie (ökonomische Beurteilung der Nutzung natürlicher Ressourcen und der ökologischen Dimensionen wirtschaftlicher Prozesse)
  • Immobilienökonomie (ökonomische Analyse von Immobilienprojekten mit stadt- bzw. regionalwirtschaftlicher Dimension einschließlich Technologiezentren und Wirtschaftsparks)
  • Wirtschaftspolitik (sektorale, regionale und kommunale Wirtschaftsanalyse und -politik unter Beachtung der Ziele der Raumordnung),
  • Software- und Methodenentwicklung (fachspezifische Software-, Modell- und Informationssysteme, insbesondere für Analyse, Prognose und Simulation öffentlicher Finanzen und einzelner Infrastrukturbereiche oder -projekte)

Die Bedeutung dieser Aufgaben ist heute offenkundig: Der rasche technische Fortschritt und die weltweite Ausbreitung neuer Organisationsformen der Wirtschaft prägen zunehmend die naturräumliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Damit die Entwicklung keine inhumane und selbstzerstörerische wird, bedarf sie regelnder Eingriffe durch die öffentliche Hand auf deren unterschiedlichen räumlichen Wirkungsebenen (Gebietskörperschaften). Erfolgreiche Eingriffe setzen Wissen über die von den Eingriffen ausgehenden Wirkungen unter Beachtung der Unsicherheit und Beschränktheit des Wissens über künftige Prozesse voraus. Das wichtigste Erkenntnisziel, dem sich das Institut verpflichtet fühlt, sind Vertiefung und Weiterentwicklung von Theorien regelnder Eingriffe des öffentlichen Sektors in Wirtschaft und Gesellschaft, insbesondere der Eingriffe zum Zweck der Wohlfahrtsvermehrung bei gleichzeitiger Schonung der Naturräume unter Beachtung der Gebote der Gerechtigkeit und Fairness. Dabei werden die verschiedenen Arten des Marktversagens und die sich daraus ergebenden Erfordernisse, Chancen und Risiken des Einsatzes öffentlicher Mittel und Instrumente theoretisch und empirisch analysiert. Auch die zahlreichen Möglichkeiten des Staatsversagens werden dabei berücksichtigt. Im Einzelnen folgt daraus die wissenschaftliche Beschäftigung mit:

  • den Zielen ökonomische Effizienz, ökologische Verträglichkeit sowie Gerechtigkeit und Fairness, also insgesamt Nachhaltigkeit, der wirtschaftlichen Aktivitäten,
  • dem Bedarf an Einrichtungen und Leistungen (Aufgaben) des öffentlichen Sektors (Gebietskörperschaften u. a.) und den Einflussgrößen, die die Aufgabenerfüllung bestimmen,
  • der Planung und Organisation der Erfüllung öffentlicher Aufgaben einschließlich Kostenanalyse und Finanzplanung,
  • den Anreizen und Wirkungen staatlicher Instrumente (eigentums- und befugnis­begründende Rechtsnormen, Information und Koordination, verhaltenslenkende Normen wie Bewilligungen, Verbote, Gebote sowie Staatseinnahmen und -ausgaben),
  • der Eignung der verschiedenen staatlichen Instrumente für die Ausübung der Konstituierungs-, Regulierungs-, Gewährleistungs- und Leistungsverantwortung des Staates unter ständiger Beachtung der Möglichkeiten wohlfahrtsvermehrender Deregulierung sowie
  • den Methoden der Erarbeitung, Bewertung und Auswahl von alternativen Konzepten und Projekten öffentlicher Leistungserbringung. Es handelt sich da­bei um formale Verfahren wie z. B. Kosten-Nutzen-Analyse, Nutzwertanalyse, mathematische Simulationsmodelle und verhaltensorientierte Individual-Entscheidungsmodelle.

Diese Bereiche bilden die Elemente der vom IFIP weiterentwickelten „Funktionsanalyse öffentlicher Aufgabenerfüllung“. Die Beschäftigung mit diesen Themen wird legitimiert durch die großen Ressourcen, die vom öffentlichen Sektor in Anspruch genommen werden.